Freitag, 7. September 2012

Himmelregen



Und es regnet immer noch.

Die Tropfen klopfen auf die Welt,
siehst du hinaus zum Regen?
Ich hab ihn für dich bestellt,
nimm ihn mit, auf deinen Wegen.

Dein erster Tag auf unsrer Erde,
war dem gleich, der nun erwacht,
die Tränen jener Sternenherde,
haben dich zum Mensch gemacht.

Mein Kind, der Himmel weinte sehr,
es war kein Regen damals dort,
die Wolken hingen damals schwer,
mein Kind, denn du warst fort.

Wo du hinfährst, kleiner Schatz,
wo das letzte Ziel von allen ist,
haben Tränen keinen Platz,
weil du in meinem Herzen bist.

Es waren Wünsche voller Glück,
ein Abschied nur, auf Zeit und Zeiten,
heut Abend, Liebstes, kehr zurück,
in ewig weite, herrlich Weiten!

Regen, als du kamst und wenn du gehst,
vier Jahre Zeit war dir gegeben,
ich wünsch dir, dass du es bestehst,
das große Leben nach dem Leben!

Und es regnet immer noch...

Nächte sind zum Träumen da



Hat die Sonne ihren Tanz gezeigt,
der Tag zum Ende sich geneigt,
dann wird es dunkel auf der Welt,
sie ist im Mantel eingehüllt.

Dann fliegt die Königin der Nacht,
die über ihre Kinder wacht,
Sterne, die sie nun erweckt,
der ganze Himmel ist bedeckt!

Wenn deine Augen sich geschlossen,
wirst du mit seltnem Staub begossen,
dann fliegst auch du in ferne Weiten,
erlebst dort deine schönsten Zeiten!

Schließ die Augen, träume schön!
Im Schlaf könn´ wir uns wiedersehn!
Lausch der Musik der Dunkelheit,
und tanz, und tanz in deiner Zeit!

Sein lassen




Blut, das durch unsre Adern fließt,
ist nicht das Wasser unsrer Seelen.
Und jedes Wort, das Bande knüpft, die nicht bestehen,
vereitert unsre Kehlen.
Kein Mensch ist Produkt, von Menschen geschaffen
Ist nur was er meint und er hat keine Waffen,
nur sein Aufschrei nach Freiheit, nur sein Verstand,
doch denkt der Mensch „Ich“ ist er als „Ego“ verkannt.
Das Nest hält warm und trocken und dumm,
es schließt seine Tür vor der Frage warum.
Wenn ich nicht diese Frage fragen lasse,
oder die Antwort schon im Kindbett verfasse,
zerreiß ich das weiße Blatt unverdrossen,
und habe mein eigenes Blut vergossen.
Es gibt kein Handbuch, das für alle gilt,
nur gleichermaßen ist für jeden klar:
er ist es selbst, der dessen Seiten füllt.
Und schreibt nicht mit dem Blut jener Seelen,
ihr werdet den Auftrag, den ihr wähltet, verfehlen,
euch binden die Adern, der Takt zweier Herzen,
aber nicht die Gedanken, nicht das Lachen und Schmerzen.

Ein Freund



Wenn dunkle Worte stetig kreisen,
und Krisen leben ohne Ruh,
dann halte mich; den stillen, leisen,
Worten höre ich jetzt zu.
Am Anfang steht die Stille ganz allein,
und keine Träne will getrocknet sein,
doch wissen, dass mich jemand hält,
wenn mein eigener Geist mich überfällt,
das ist das Glück, das Freundschaft heißt,
und Dunkelheit im Kern zerreißt.
Drum lausch mir, wenn ich nicht reden kann,
und glaub mir, was nicht wahr sein kann,
wenn ich nicht aufseh, sieh mich an,
und halt mir mein Bild, bevor alles begann.
Und so werde auch ich stets sein,
mit dir – nie allein.

Was heißt es?



Ich weiß wohin ich blicken soll,
doch wer sagt mir, was es heißt?
Wenn ein Gefühl mich freudig stimmt,
und zugleich mein Herz zerreißt?
Wer sagt mir, ob ich lachen darf,
wenn in mir tief ein Terror haust?
Wer sagt, ob ich mich fragen darf,
wenn mir vor der Antwort graust?
Was meine Ketten letztlich sprengt,
versengt
mein Herz und brennt es fort.
Ich wohn an keinem Ort
Auf Erden, denn ich bin gespalten.
Ohne warmen, ohne kalten
Hauch,
bis ich zum Sterben nicht mehr atmen brauch.
Und doch – dies Schicksal ist mein Lieben
Und mein Leben in einem gleichen Atemzug,
Denn dem Mensch, dem nichts geblieben,
bleibt in der Nacht der leichte Flug,
von Lust, Erinnerung, Gefühl und
Frust.
Ich weiß wohin ich blicken soll,
und ich muss nicht wissen, was es heißt.
Bis Gewissheit in das Haus der Liebe guckt,
ist diese schon verreist.